Es waren die 1960er-Jahre, in denen sich mit der Gesamtschule große Hoffnungen verbanden, das Bildungssystem in diesem Land grundlegend und grundsätzlich zu reformieren. Es wäre längst an der Zeit gewesen, das öffentliche Schulsystem „gesamt“ zu gestalten. Aber die Angst der Sozialdemokratie, der Zerstörung von irgendwelchen Bildungsidealen geziehen zu werden, hat es der Ministerialbürokratie erlaubt, unter dem Namen „Gesamtschule“ dem Schulsystem lediglich ein viertes Glied hinzuzufügen. Schon 1972 war zu erkennen, dann NRW keine Schule bekommen würde, die den Namen „Gesamtschule“ verdienen könnte: Wie verhindert man Schulreform? Modellfall Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen.

2002 wurde ich von der GEW zu einer Tagung nach Rheydt eingeladen, wo ich zur Eröffnung der Ausstellung „30 Jahre Gesamtschule in NRW“ gesprochen habe. Ich bin heute noch ziemlich sicher, dass diese realistische und des illusionierende Darstellung der Gesamtschulgeschichte weder vom Landtag NRW noch von der Landesregierung zur Kenntnis genommen worden ist.

Denn der SPD sitzt die Angst vor dem, was sie an Reformen durchzusetzen vorgibt, nicht nur deshalb im Nacken, weil ihre Gegner mit absurden Behauptungen Stimmung dagegen machen. Sei ist nicht wirklich von dem überzeugt, was sie lauthals propagiert, um es dann scheitern zu lassen. So wurden und werden daraus immer wieder nur „Reformen“. Selbst so etwas wir die Kooperative Schule, eine kastrierte Gesamtschule, wurde unter diesen Bedingungen nichts: „Kooperative Schule“/Nordrhein-Westfalen – küchendialektische purzelbäume.

Während meiner Tätigkeit an der FernUniversität Hagen sollte es um ein pädagogisch-soziologisches Projekt geben, für das jedoch keine Mittel bewilligt wurden. Ich habe mich daher, ausgehend von einem Bericht über eine Projektwoche an der Gesamtschule Dortmund-Scharnhorst, mit Fragen beschäftigt, die ich mir selbst und die sich mir gestellt habe(n). Das Ergebnis habe ich als Dissertation eingereicht: Lernen ohne Erfahrung – Der Beitrag von Wissenschaft und Schule zur Auflösung natürlicher und sozialer Lebenszusammenhänge. Wer geglaubt hatte, im Wissenschaftsbetrieb sei Wissenschaftskritik nicht nur möglich, sondern werde auch akzeptiert, kann sich ab Seite 84 unter dem Titel „Im Promotionsverfahren gegen Kelber, bitte eintreten!“ eines Schlechteren belehren lassen.

Ich hätte mich gerne dem Thema, das ich in einem Aufsatz nur angerissen hatte (Einübung in die Klassengesellschaft – Sozialisation als Problem gesellschaftlicher Macht und Herrschaft) später gerne eingehender gewidmet. Aber was in den Folgejahren an diversen Klassenanalysen entwickelt wurde, hat mich leider überfordert. So blieb es bei einer Idee.

Wir hatten überlegt, unseren Sohn Robert eine Waldorf-Schule besuchen zu lassen. Die Aufnahmeprüfung war nicht dazu angetan, uns in diesem Vorhaben zu bestärken: Warum Robert nicht auf die Waldorfschule kam – Überreden statt überzeugen: eine Begegnung mit Anthroposophie und Waldorf-Pädagogik.

Wenn ich mich richtig erinnere, hat mal jemand gesagt: „Die DKP ist die einzige kommunistische Partei, die es nie gab.“ Es gibt heute noch ein Grüppchen unter diesem Namen, das, wenn ich mich nicht täusche, Stalin und Co. nachtrauert. Den entsprechenden sich pädagogisch genannt habenden Vorstellungen bin ich vor vielen Jahren mit Helmut Stange mit einem Text entgegengetreten, der in päd.extra und (in Auszügen) in der taz veröffentlicht wurde: Solidarität marsch, marsch! Gegen den „Mut zur demokratischen Erziehung“.

Merkwürdigkeiten und Absurditäten pädagogischer Art hat jedoch nicht nur die DKP präsentiert. Während eines Symposions (!) zur „Evaluation von Lehrerfortbildung“ ging es um Disziplinierung aus ganz anderer Perspektive. Aber auch aus dieser galt: Warum das Kind immer wieder zur Lehrerin rannte, wurde nicht gefragt.